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Diakonisches Werk Bethanien

Bericht des Vorstandsvorsitzenden in der Mitgliederversammlung 2017

1. Türen öffnen. Gerechtigkeit leben

2017 – das Jahr des Reformationsjubiläums. Die Kampagne unseres Spitzenverbandes, der Diakonie Deutschland, anlässlich des Reformationsjubiläums steht unter dem Thema „Türen öffnen. Gerechtigkeit leben“. Der tiefere Sinn diakonischen Handelns wird damit bezeichnet. Wer die Barmherzigkeit Gottes erfahren hat, will diese Barmherzigkeit in Wort und Tat anderen Menschen bezeugen. Damit werden dann Türen geöffnet zu Räumen, in denen Menschen Lebenshilfe finden. Und mit ihrem Dienst tragen Christen zur Gerechtigkeit bei, dazu, dass Menschen mit ihrer unverlierbaren Würde das bekommen, was ihnen zusteht. „Türen öffnen und Gerechtigkeit leben“ – damit wird treffend beschrieben, was Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Diakonie tagtäglich tun. Zum Reformationsjubiläum passend stand das 121. Jahresfest Bethaniens unter dem Motto „sola gratia – voraussetzungslos und folgenreich“. In einigen unserer Einrichtungen weisen Reformationsausstellungen auf dieses wichtige geistes- und theologiegeschichtliche Ereignis und seine Bedeutung bis in die Gegenwart hin.

 

2. Struktur

Der Prozess der strukturellen Neuausrichtung des Werkes in Gestalt einer Stiftungs-/Spartenorganisation ist weiter im Gange. Stiftungssatzung und Gesellschaftsverträge wurden erarbeitet. Allerdings stellen sich die Abstimmungsprozesse mit der Finanzverwaltung sehr aufwendig und langwierig dar. Die zu gründende Stiftung wird Bundeswerk im Sinne des Artikels 12 der Verfassung des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland sein. In der Präambel heißt es: „Die Evangelische Stiftung Bethanien bezeugt mit ihrem Dienst Gottes Liebe zur Welt in Jesus Christus nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift. Menschen sollen die Barmherzigkeit Gottes erfahren, indem ihnen in sozialer, körperlicher und seelischer Not geholfen wird und sie das Evangelium von Jesus Christus hören.“

 

3. Diakonissen-Mutterhaus

Das Konzept des Diakonissen-Mutterhauses wurde weiterentwickelt. In der Überschrift werden die Zielstellung, die Zielgruppen und die Prägung des Hauses treffend beschrieben: „Leben und Wohnen in einer christlich geprägten Hausgemeinschaft im Diakonissen-Mutterhaus Bethanien für selbstständige Senioren und Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf“. Genau darum geht es! Geplant ist, im Mutterhaus eine „Tagespflege“ einzurichten, sodass wir dann auf dem Bethanien-Campus ein zweites Tagespflege-Angebot haben.

 

4. Krankenhaus

Im Laufe des Jahres 2016 lagen die Leistungsdaten – allerdings auf hohem Niveau – ein wenig unter den Vorjahreswerten. Im ersten Halbjahr des Jahres 2017 befindet sich die Auslastung des Hauses in jedem Monat auf einem „historischen Höchststand“. Bei 120 Planbetten gibt es sehr oft Tage mit 150 belegten Betten. Gründe für diese hohe Belegung sind zum einen die im Frühjahr grassierende Grippewelle, zum anderen die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Köln. Wegen der dauerhaft hohen Auslastung des Hauses muss der Pflegebereich erweitert werden. Um die 23 Intensivbetten ausschließlich für „schwere Beatmungsfälle“ nutzen zu können, wurde zum 1.4.2017 ein Intermediate-Care-Bereich mit 8 Betten eingerichtet. Vorgesehen ist eine Aufstockung auf 12 Betten. Am 20.9.2016 wurde unsere Klinik erstmalig als Lungenkrebszentrum durch die Zertifizierungsstelle der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. OnkoZert zertifiziert.

 

5. Altenhilfe

Allgemein

Am 1.1.2017 trat das Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) in Kraft. Die wichtigste Änderung besteht darin, dass die 3 Pflegestufen durch 5 Pflegegrade ersetzt wurden und die „Eingradung“ nun unter dem Gesichtspunkt vorhandener Selbstständigkeit vorgenommen wird: Pflegegrad 1 = geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, Pflegegrad 5 = schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung. Um beurteilen zu können, wie selbstständig ein Mensch ist und wie viel Hilfe er benötigt, werden sechs Lebensbereiche betrachtet und erkennbare körperliche, geistige und psychische Einschränkungen erfasst: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Belastungen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen, Gestaltung des Alltagslebens. Die Umstellungen auf die durch PSG II entstandenen neuen Rahmenbedingungen wurden in unseren Einrichtungen vorgenommen, u. a. erfolgten Schulungen zum neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und zum neuen Begutachtungsinstrument. Die Umstellung der Pflegedokumentation auf der Grundlage des Strukturmodells ist in allen Einrichtungen erfolgt.

 

Ambulant

In allen ambulanten Pflegediensten sind steigende Patientenzahlen zu verzeichnen. Einen hohen Bedarf gibt es an Betreuungsleistungen. Dies entspricht genau der durch die neue Gesetzeslage gewollten Bevorzugung individueller, ambulanter oder teilstationärer Versorgung gegenüber einer vollstationären. In einigen ambulanten Diensten wurde die mobile Datenerfassung eingeführt. Der Frage, wie im ambulanten Bereich eine dauerhafte wirtschaftliche Stabilität erreicht werden kann, kommt zurzeit besondere Bedeutung zu.

 

Teilstationär

Auch die teilstationären Einrichtungen unseres Werkes profitieren von den durch das PSG II gesetzten neuen Rahmenbedingungen, sodass die Belegung stetig zunimmt. Am 1.8.2016 wurde die Tagespflege in Netphen bei Siegen eröffnet, am 5.10.2016 die Tagespflege in Limburg auf dem Campus der Domäne Blumenrod neben der dortigen Freien evangelischen Gemeinde. Geplant ist die Einrichtung einer weiteren Tagespflege im Diakonissen-Mutter­haus in Solingen-Aufderhöhe. In Tagespflegeeinrichtungen wird durch Pflege- und Betreuungsangebote die Selbstständigkeit der Gäste erhalten und gefördert, sie können Gemeinschaft erleben und werden vor Vereinsamung bewahrt, und pflegende Angehörige werden für bestimmte Zeiten entlastet.

 

Stationär

Unsere stationären Pflegeeinrichtungen in Solingen, Ewersbach und Halver wiesen im Jahr 2016 durchschnittliche Auslastungsgrade zwischen 97 % und 99,2 % auf. Auffälligkeiten bei Prüfungen durch den MDK oder die Heimaufsicht gab es nicht. Die Leitungsstruktur des großen Seniorenzentrums Solingen (ca. 300 Pflegeplätze) wurde dahingehend verändert, dass jetzt zwei Einrichtungsleitungen für die Häuser Ahorn, Buche, Eiche, Magnolie sowie für die Intensivpflege und die Tagespflege zuständig sind.

Für die Lebensqualität der Bewohner/-innen sind die Gestaltung des Wohnumfeldes und attraktive Freizeitangebote von großer Bedeutung. Deshalb wurde an Haus Ahorn eine große Balkonanlage angebaut. Hinter Haus Buche wurde ein geschützter Garten, insbesondere für Menschen mit Demenz, angelegt.

Insgesamt ist festzustellen, dass die Bedeutung von Tieren in der Altenhilfe zunimmt. Das KDA (Kuratorium Deutsche Altenhilfe) stellt den therapeutischen Ansatz unter dem Thema „Tiere öffnen Welten“ dar. In einigen Bethanien-Einrichtungen werden seit längerer Zeit Therapiehunde eingesetzt. Im Garten von Haus Ahorn gibt es ein Gehege für Kaninchen, in Haus Buche ist inzwischen eine Bewohnerin mit einem kleinen Hund eingezogen und in Haus Eiche lebt schon seit einigen Jahren eine Katze.

Da Pastor Gerhard Mosner ab 1.9.2017 im Rahmen einer 50 %-Stelle nur noch im Seniorenzentrum Halver tätig sein möchte, wurde zum 1.9.2017 Pastor Rolf Nagel als weiterer Seelsorger neben Pastor Ulrich Kühn für den Solinger Werksteil berufen. Ulrich Kühn wird dann ausschließlich in der Klinik tätig sein, Rolf Nagel – neben Sr. Hanna Dembowski und Pastor i. R. Christian Meier – ausschließlich im Seniorenzentrum.

In Halver wurde ein 680 m2 großes Grundstück neben unserem Seniorenzentrum erworben, um hier in den nächsten Jahren Expansionsmöglichkeiten zu haben. In Ewersbach wurde wegen des aktuellen Bedarfs eine weitere Wohngruppe für Menschen mit Demenz eingerichtet. Im Garten hinter dem Pflegeheim in Ewersbach konnte – aus Spenden und Fördergeldern finanziert – ein „Kreativhaus“ gebaut werden.

 

 

6. Suchtkrankenhilfe Dessau

Die langjährige Leiterin des Geschäftsbereichs Suchtkrankenhilfe, Frau Kerstin Reuter, hat sich entschlossen, die Stadt Dessau zu verlassen und in diesem Zusammenhang auch ihre Stelle in Bethanien zum 30.6.2017 aufzugeben. Sehr herzlich danken wir der Gründerin des Therapiezentrums Bethanien in Dessau für ihren äußert engagierten, von Professionalität und Weitblick geprägten Dienst.

Als neuer Geschäftsbereichsleiter wurde Herr Joachim Stopp berufen, der in hohem Maße alle fachlichen Voraussetzungen und umfangreiche Erfahrungen aufgrund bisheriger Tätigkeiten in diakonischen Einrichtungen mitbringt.

Nachdem in den letzten Jahren immer wieder Investitionen an den Gebäuden in der Kurt-Weill-Straße getätigt wurden, wird zurzeit das Gebäude in Kleinkühnau/Mittelstraße saniert. Hier entstehen Räumlichkeiten für „intensiv betreutes Wohnen“ suchtkranker Menschen.

 

 

7. Berghof

Schweren Herzens hat der Vorstand in Abstimmung mit dem Verwaltungsrat beschlossen, die Trägerschaft des Berghofs zum 30.9.2017 abzugeben. Trotz vieler Bemühungen gibt es keine Verortung dieser wichtigen und guten Arbeit in regionalen Versorgungsstrukturen und von daher auch keine ausreichende Refinanzierung der erbrachten Leistungen, sodass das Gesamtwerk regelmäßig hohe Verluste auszugleichen hatte. Es wären auch sehr große Investitionen nötig, um die Gebäude zukunftsfähig zu gestalten. Nach Gesprächen mit der Freien evangelischen Gemeinde Uedem, die sich unmittelbar neben dem Berghof befindet, wurde entschieden, die zum Berghof gehörenden Gebäude an die Gemeinde zu übertragen. Nach dem Willen der Gemeindeleitung soll es darum gehen, weiterhin Menschen zu dienen, zum Leben zu helfen und Räume für die Begegnung mit Christus zu schaffen. Edith und Gerhard Oerter erbringen bis zum 31.12.2017 noch als Bethanien-Angestellte Leistungen im Bereich des ambulant betreuten Wohnens. Ab Januar 2018 wird Gerhard Oerter diese Leistungen als Selbstständiger erbringen.

 

 

8. Ferien- und Tagungszentrum Langeoog im VCH

In den ersten Monaten des Jahres 2017 wurde das Schwedenhaus für ca. 550.000 € innen und außen komplett saniert. Die Zwei- und Dreibettzimmer im Erdgeschoss und im 1. Ober­ge­schoss sind jetzt barrierefrei zu erreichen und haben einen barrierefreien Zugang zu Dusche und WC, z. T. sind sie auch rollstuhlgerecht. Die Terrasse und der Speiseraum wurden neu gestaltet, und ein zusätzlicher Gruppenraum wurde eingerichtet.

 

 

9. Aus-, Fort- und Weiterbildung

Pflegeberufereformgesetz (PflBRefG)

Der Deutsche Bundestag hat am 22.6.2017 das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe verabschiedet. Von 2020 an werden die Ausbildungen in der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zu einer neuen generalistischen Pflegeausbildung zusammengeführt. Der einheitliche Berufsabschluss lautet dann „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“. Dieser Abschluss berechtigt die Absolventinnen und Absolventen, in allen Bereichen der Pflege zu arbeiten und gilt auch in anderen Mitgliedsstaaten der EU. Es ist nach dem verabschiedeten Gesetz auch möglich, die dreijährige Ausbildung weiterhin mit einem Abschluss in Kinderkranken- oder Altenpflege abzuschließen. Das letzte Ausbildungsjahr dient dann der Spezialisierung. Diese Pflegekräfte können jeweils nur in diesem bestimmten Bereich arbeiten. Wer die generalistische Ausbildung nach zwei Jahren beendet, erwirbt einen Abschluss als Pflegeassistent/-in.

 

Fachseminar für Altenpflege

In unserem staatlich anerkannten Fachseminar für Altenpflege konnten für den neuen Lehrgang, der im Oktober 2017 beginnt, alle zur Verfügung stehenden Plätze besetzt werden. Vonseiten der Schule wird mit 62 Einrichtungen, in denen die praktische Ausbildung erfolgt, kooperiert.

 

Bildungszentrum Bethanien

Weiteres Wachstum ist auch in unserem Bildungszentrum zu verzeichnen. Im laufenden Jahr werden 13 Weiterbildungen und 70 Fortbildungen angeboten. Die Anzahl der Teilnehmertage hat sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um ca. 20 % erhöht.

 

10. Ergebnis

Das Geschäftsjahr 2016 wurde im Diakonischen Werk Bethanien e. V., in der Krankenhaus Bethanien gGmbH und in der Medizinisches Versorgungszentrum Bethanien gGmbH mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Auch die Ergebnisse des ersten Halbjahres 2017 sind positiv.

Insgesamt über 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zurzeit in der Bethanien-Gruppe beschäftigt.

Zurück zum Anfang – „Türen öffnen. Gerechtigkeit leben“: Manche Türen konnten im Berichtszeitraum geöffnet werden, andere ließen sich nicht öffnen oder mussten geschlossen werden.

Ich schließe meinen Bericht mit einem herzlichen Dank. Ich danke den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die haupt- oder ehrenamtlich in unserem Werk tätig sind, denen, die für unsere Arbeit spenden und beten, ich danke Gott.

Otto Imhof

Otto Imhof

Direktor

 

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