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Verwaltungsratsbericht 2011

Bericht des Verwaltungsratsvorsitzenden in der Mitgliederversammlung des Diakonischen Werkes Bethanien e.V. am 27. August 2011



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Das Diakonische Werk Bethanien feiert in diesem Jahr seinen 115. Geburtstag. Was 1896 in Wetter an der Ruhr, zwar sehr bescheiden aber überaus glaubensmutig, von Friedrich Fries begonnen wurde, hat sich unter dem Segen Gottes und durch den hingebungsvollen Dienst vieler Menschen – allen voran der vielen Diakonissen, aber auch der Stafette guter geistlicher Leiter und vieler engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr, zum heutigen Umfang entwickelt. Friedrich Fries war ein ideenreicher Pionier und leidenschaftlicher Diener Jesu. In seinem Dienst als Prediger war es ihm ein vorrangiges Anliegen, die Verkündigung des Wortes Gottes mit dem Zeugnis der helfenden Tat glaubhaft zu ergänzen.

Aus dem Beginn an dem ersten Standort in Wetter sind es bis heute 15 Standorte geworden, an denen das Diakonische Werk Bethanien in einer ebenfalls ständig ausgeweiteten Vielfalt diakonische Dienste leistet. Und es ist schon absehbar, dass weitere Standorte hinzukommen werden.

Am Anfang waren es zunächst sechs Frauen, die dem Ruf in den vollzeitlichen diakonischen Dienst folgten und in das auf Initiative von Friedrich Fries neu gegründete Mutterhaus eintraten. Wenn wir diesem sehr kleinen, dennoch aber sehr zuversichtlichen Anfang alleine die Zahl der heute in unserem Werk tätigen mehr als 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüberstellen, dann können wir eigentlich nur noch stauen. Staunen über Gottes Führung, seinen gnädigen Segen, im Gelingen vieler Pläne und in der Bestätigung des vielfältigen beispielhaften Einsatzes. Der 115. Geburtstag kann uns anlässlich dieser Zwischenbilanz nur zu Psalm 103,2 führen:

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Ja, wir können heute nur mit großer Dankbarkeit feststellen: Gott hat innerhalb der Einrichtungen Bethaniens, aber auch in der gesamten Entwicklung des Werkes – und dabei insbesondere durch die vielfältigen Dienste für eine große Zahl von hilfsbedürftigen Menschen – sehr viel Gutes getan. Er hat durch die sich im Laufe der Jahre ständig veränderten Anforderung mit immer größeren Herausforderungen wunderbar hindurchgeführt. So gehört Gott die Ehre und der Dank dafür, dass er die jeweils in diesem Werk Verantwortlichen auf den richtigen Wegen mit den richtigen Schritten geleitet hat.

Es sind zwei Kennzeichen, die aus der Geschichte Bethaniens herausleuchten und auch die aktuelle Situation einschließen:

Kennzeichen, die fälschlicherweise landläufig als Gegensätze bewertet werden, sich aber in Wirklichkeit wertsteigend ergänzen. Ich spreche von Tradition und Innovation.

Tradition – abgeleitet von dem lateinischen Wort „tradere“ – steht unter anderem für die „Weitergabe“, die Weitergabe von Überzeugungsmustern, auch von Werten. Nur ein Baum, der tiefe Wurzeln hat, kann eine große Krone tragen. Wurzeln im Sinne einer „Werte-Bindung“, eines klar begründeten Auftrages, einer überzeugenden Sinngebung. Dieser Auftrag, diese Sinngebung ist in der Präambel der Satzung des Diakonischen Werkes der EKD formuliert:

„Die Kirche hat den Auftrag, Gottes Liebe zur Welt in Jesus Christus allen Menschen zu bezeugen. Diakonie ist eine Gestalt dieses Zeugnisses und nimmt sich besonders den Menschen in leiblicher Not, in seelischer Bedrängnis und sozial ungerechten Verhältnissen an . . .“

Der Name „Bethanien“ ist in diesem Sinne Tradition, Programm und Verpflichtung. Das steht schon gleich am Beginn unserer Leitsätze:

Bethanien = „Haus des Elends. Menschen in Not sollen bei uns ein Zuhause finden und durch die Begegnung mit Menschen und durch die Begegnung mit Jesus Christus Hilfe – Hilfe zum Leben – erfahren.“

Tradition gefüllt mit dieser klaren Zielsetzung ist dann auch nicht – wie Gustav Mahler das einmal formuliert hat – als Anbetung der Asche zu verstehen, sondern sehr deutlich als Bewahrung des Feuers! Deshalb hat es der Verwaltungsrat sehr begrüßt und unterstützt, dass der Vorstand während der letzten Jahre das Angebot der Seelsorge ausgeweitet hat. Neben den in diesem Bereich sehr geschätzten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind mit Pastor Ulrich Kühn und – ganz aktuell – mit Schwester Hanna Dembowski zwei weitere Kräfte hinzugekommen, so dass dieser Bereich jetzt insgesamt um eine Planstelle aufgestockt wurde. Gemeinsam mit Pastor Gerhard Mosner wurde damit ein sehr kompetentes Seelsorger-Team gebildet.

Die Formen der Diakonie ändern sich. Das macht der hinter uns liegende Wandel von der Mutterhaus-Diakonie hin zu einer umfangreichen diakonischen Unternehmensgruppe deutlich. Die Tradition aber bleibt. Sie bleibt – bei aller Auftragserweiterung – verbunden mit der Verpflichtung Bethaniens zu einer evangeliumsgemäßen Diakonie.

Der angesprochene Wandel war und ist begleitet von Innovationen – und damit komme ich zu dem zweiten genannten Kennzeichen. Innovationen entstehen, wenn neue Ideen umgesetzt werden. Sie entstehen, wo für neue oder veränderte Bedürfnisse neue Lösungen gefunden werden. Es gehört zu den Stärken Bethaniens, die Entwicklungen in unserer Gesellschaft immer sehr frühzeitig zu reflektieren, um sich dann mit neuen Betreuungs- und Pflegekonzepten an der Spitze der Trends zu positionieren. Das bestätigt beispielsweise das sehr speziell auf die Betreuung schwerbehinderter Menschen ausgerichtete Konzept der ambulanten Pflege in Dortmund, auch die im Solinger Modell zusammengefasste ganzheitliche Pflege, inklusive einer künstlichen Beatmung. Nicht zu vergessen auch die verschiedenen Formen der Betreuung alter und hilfsbedürftiger Menschen. Das beginnt mit Senioren-Wohngemeinschaften mit Pflege- und Betreuungsbedarf, wie diese während dieses Jahres in Schalksmühle – in enger Verbindung und auf Initiative der dortigen Freien evangelischen Gemeinde – gestartet wurde und setzt sich fort mit dem Angebot der Tagespflege in unseren Seniorenzentren. An den Standorten Solingen und Halver sind die entsprechenden Einrichtungen fertiggestellt, in Ewersbach befindet sich der Bau entsprechender Räume gerade in der Planung. In der stationären Altenpflege sind dann die jetzt an allen drei Standorten – Solingen, Halver und Ewersbach – für die spezielle Betreuung von Menschen mit Demenz geschaffenen Voraussetzungen, einschließlich der in Solingen verwirklichten Pflegeoase – das in NRW einzige Konzept, das wissenschaftlich begleitet wird – herauszustellen.

In dem Bericht des Vorstandes wurden schon alle wichtigen Veränderungen und Erneuerungen vorgestellt. Ich beschränke mich deshalb auf diese Beispiele und verbinde sowohl mit diesen innovativen, gleichfalls aber auch qualitativen und nicht zuletzt den betriebswirtschaftlichen Leistungen, die später im Jahresergebnis ausgewiesen werden, ein großes Kompliment an den Vorstand, die Führungskräfte des Werkes und ganz besonders auch die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seitens des Verwaltungsrates – und, ich bin sicher, auch den Mitgliedern Bethaniens – möchte ich Ihnen allen unseren herzlichen Dank sagen. Danke für viele gute Ideen und Initiativen. Danke auch für die sehr sorgfältig abgewogenen Entscheidungen und last but not least: danke für die unzähligen, mühevollen Dienste in der Pflege, der Therapie, in der Zuwendung der hilfsbedürftigen Menschen, die sich den Einrichtungen Bethaniens anvertraut haben. Schließlich sprechen für die sehr positive Bewertung all dieser beispielhaften Leistungen, die hohen Auslastungsquoten aller Einrichtungen, ebenso wie die sehr guten Benotungen, die durchweg in den Qualitätsaudits erteilt wurden.
Qualität hat auch viel mit Qualifizierung zu tun. Dazu noch einmal die Bethanien-Leitsätze:
„Das Bekenntnis zur unverlierbaren Würde des Menschen beinhaltet für uns die Verpflichtung, unsere Dienste auf höchstmöglichem Qualitätsniveau zu erbringen . . .“

Es ist in diesem Zusammenhang besonders anzuerkennen, dass zur Sicherung dieses Anspruchs das Bildungszentrum Bethanien etabliert wurde mit einem vielfältigen Angebot der Fort- und Weiterbildung. Dies ist ein wichtiger Schritt der Zukunftssicherung – gerade auch unter dem Aspekt des zunehmenden Mangels an Fachkräften in der Pflege.

Eine Bestätigung der insgesamt im Jahre 2010 geleisteten Arbeit findet sich schließlich in der Gewinn- und Verlustrechnung des Jahresabschlusses. Insgesamt ist der ausgewiesene Jahresüberschuss erneut positiv. Angesichts der schwieriger werdenden Rahmenbedingungen ist dieses Ergebnis nicht selbstverständlich und deshalb besonders zu würdigen.

Verwaltungsrat und Vorstand haben den Jahresabschluss sehr sorgfältig behandelt. Erneut hat die beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft LPS (Leistner, Pokoj und Schnedler) das Finanz- und Rechnungswesen Bethaniens sehr positiv beurteilt und dem für das Jahr 2010 erstellten Jahresabschluss einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erteilt.

Den verdienten Dank für die vielfältige intensive Leistung, die hinter diesem Jahresabschluss und seinen Ergebnissen steht, habe ich schon ausgesprochen. Mir ist an dieser Stelle wichtig, dem Vorstand einen besonderen Dank für die erneut vertrauensvolle und zielorientierte Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrat auszusprechen. Wir haben uns wieder in vier gemeinsamen Sitzungen (einschließlich einer zweitägigen Klausur) mit der Gesamtentwicklung des Werkes, den aktuellen Zahlen, den besonderen Herausforderungen und zukünftigen Maßnahmen beschäftigt. Der Vorstand hat uns immer rechtzeitig und sehr gründlich über all diese Entwicklungen, die monatliche Zahlenentwicklung und die Lage des Werkes insgesamt informiert. Die Vorschläge des Vorstandes für die Kostenbudgets und Investitionen wurden durch den Verwaltungsrat sorgfältig geprüft, gründlich diskutiert und dann verabschiedet.

Im Verwaltungsratsbericht des letzten Jahres habe ich bereits die Wertschätzung, die sich Herr Hartmut Fehler hier im Werk mit seiner geistlichen Ausrichtung, seiner Kompetenz und seines seit mehr als 25 Jahren geleisteten wertvollen und zuverlässigen Einsatzes erworben hat, als überzeugenden Grund für seine Berufung als Beisitzer des Vorstandes dargestellt. Der ihm zugeordnete Bereich der gesamten Ambulanten Pflege nimmt im Rahmen der Ausweitungen ständig zu. Deshalb hat der Verwaltungsrat überzeugt und gerne dem Vorschlag des Vorstandes folgend Herrn Hartmut Fehler zum 1. Juli als vollstimmberechtigtes Mitglied des Vorstandes berufen. Wir wünschen Hartmut Fehler auch an dieser Stelle Gottes Segen, viel Weisheit, vor allem die nötige Kraft für diese sehr verantwortungsvolle Aufgabe.

Zum Schluss: Das Fundament der institutionellen Diakonie sind und bleiben diakonisch wache Gemeinden. Ich kann hier nur wiederholen, dass wir uns in unserer Trägerschaft eine größere Anzahl davon wünschen. In diesem Zusammenhang haben es die Gremien Bethaniens besonders begrüßt, dass Bundessekretär Reinhard Spincke – bisher auch Verwaltungsratsmitglied Bethaniens – sich der Fragen zum Verhältnis des Diakonischen Werkes Bethaniens und der Ortsgemeinden in der Region West besonders angenommen hat. Grundlage war eine sehr gründliche Befragung ausgewählter Gemeinden. Die Ergebnisse hat er uns in der letzten Sitzung vorgestellt. Wir werden uns in den kommenden Sitzungen intensiv damit beschäftigen. Es zeigen sich schon jetzt interessante Hinweise, die wir im Detail sicher auch in der nächsten Mitgliederversammlung konkreter ansprechen werden.

Ich begann meinen Bericht mit unserem besonderen Dank für Gottes Wirken, der uns im Rückblick auf die Geschichte Bethaniens bewegt. Ich schließe mit einem Ausblick, der gut in Psalm 91, 1-2 zum Ausdruck kommt:

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleib, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

Ja, mit diesen Verheißungen Gottes, dass unser Ausblick von großer Zuversicht geprägt sei, weil Gottes Unternehmungsgeist sehr groß ist, wie das der China-Missionar Hudson Taylor einmal formuliert hat.

Norbert Müller

Bildungszentrum Bethanien

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