Diakonisches Werk Bethanien e.V.
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Bericht des Vorstandes

Aus dem Bericht des Vorstandsvorsitzenden Otto Imhof über Entwicklungen im Diakonischen Werk Bethanien in der Mitgliederversammlung am 3.9.2016 in Solingen-Aufderhöhe

1998 wurde von der EKD und der VEF die „Diakonie-Denkschrift“ herausgegeben. Im Vorwort des damaligen EKD-Ratsvorsitzenden Präses Manfred Kock und des damaligen Präsidenten der VEF Bischof Dr. Walter Klaiber ist zu lesen:

„Herz und Mund und Tat und Leben muss von Christo Zeugnis geben“, heißt es in der gleichnamigen Kantate von Johann Sebastian Bach. Genau darum geht es beim Dienst der Christen an ihren Mitmenschen, den wir Diakonie nennen. Er ist ein Zeugnis von der Barmherzigkeit Gottes in Jesus Christus, von der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. Dieser Dienst wird nicht nur mit Herz und Mund geleistet, sondern auch mit Tat und Leben. Immer dort, wo Christen ihren Mitmenschen in Not zur Seite stehen, wo Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der diakonischen Arbeit der Kirche engagiert ihren Dienst tun, Mitmenschen beraten, Hilfesuchende aufnehmen, ihnen zuhören, sie begleiten, ihnen zu essen geben, Bedürftige pflegen, kann etwas aufscheinen von der Liebe Gottes zu den Menschen. Dies ist christliche Diakonie.“
(Präses Manfred Kock und Bischof Dr. Walter Klaiber: Vorwort zu Herz und Mund und Tat und Leben – Grundlagen Aufgaben und Zukunftsperspektiven, Eine evangelische Denkschrift, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1998)


Diakonie – Zeugnis von der Barmherzigkeit Gottes in Jesus Christus, von der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. Diese Wesensbestimmung der Diakonie ist für unsere Arbeit Zuspruch und Verheißung zum einen, Anspruch und Verpflichtung zum anderen. Schauen wir uns von daher an, was sich im Berichtszeitraum getan hat.

1. 120 Jahre Bethanien

1896 wurde das Diakonische Werk Bethanien gegründet. Dankbar denken wir an Friedrich Fries und Robert Kaiser, die mit Glauben, Mut und Lernbereitschaft den „Grundstein“ legten, an die Diakonissen, die sich rufen und senden ließen, an die Mitarbeitenden, die im Laufe der Jahrzehnte unseren Bewohnern, Patienten und Gästen umfassende Lebenshilfe boten und Weiterentwicklungen unserer Einrichtungen ermöglichten, an die ehrenamtlich Tätigen, an die Kooperationspartner, Förderer und Beter.
120 Jahre Bethanien heißt dann auch: 120 Jahre Zeugnis von der Barmherzigkeit Gottes in Jesus Christus, von der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt.

2. Struktur

Aufgrund des Auftrags der Mitgliederversammlung, den Prozess zur strukturellen Neuausrichtung des Werkes in Gestalt einer Stiftungs-/Spartenorganisation in Gang zu setzen, wurden die Satzung der Evangelischen Stiftung Bethanien, die Gesellschaftsverträge der Diakoniewerk Bethanien gGmbH und der Senioren- und Krankenpflege Bethanien gGmbH erarbeitet, die Abstimmung mit der Stiftungsaufsicht vorgenommen und der Antrag auf Erteilung der verbindlichen Auskunft beim Finanzamt Solingen gestellt. Der Satzungsentwurf für den zu gründenden Verein „Freunde und Förderer Bethaniens e.V.“ liegt ebenfalls vor.

3. Diakonissen-Mutterhaus

Neben den Pflegeplätzen in den vier Häusern des Seniorenzentrums in Solingen stehen im Mutterhaus Appartements zur Verfügung. Viele werden von Diakonissen und Verbands-
angehörigen bewohnt, andere von Einzelpersonen und Ehepaaren, die bewusst in einer christlichen Hausgemeinschaft leben wollen und die Möglichkeit schätzen, an Andachten, Bibelstunden und anderen Gemeinschaftsveranstaltungen sowie an den gemeinsamen Mahlzeiten teilzunehmen. Auch im Mutterhaus wird Pflege und Betreuung angeboten.

4. Krankenhaus

Nachdem unsere Klinik in das Notfallversorgungskonzept der Stadt Solingen aufgenommen wurde, sind die notwendigen räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen für Notfallaufnahmen geschaffen worden. Die Intensivstation des Hauses wurde so umgebaut,
dass nun 23 Einzelzimmer und ein Schockraum zur Verfügung stehen.

Die Kooperation mit der Universitätsklinik Köln im Bereich der Pneumologie und der Thoraxchirurgie ist inzwischen gut etabliert. Im Rahmen dieser Kooperation ist das Wissenschaftliche Institut für Pneumologie unter der Leitung unseres Chefarztes
Prof. Dr. Winfried Johannes Randerath nun An-Institut der Kölner Universität.

5. Altenhilfe: Ambulant – teilstationär – stationär

Allgemein
Die Pflegestärkungsgesetze (PSG) I und II bevorzugen eine individuelle ambulante oder teilstationäre Versorgung gegenüber einer institutionalisierten vollstationären Versorgung. Konkret: Versicherte erhalten höhere finanzielle Leistungen für ambulante und teilstationäre als für vollstationäre Pflege. Mit unseren Angeboten müssen wir – und wollen wir – uns auf diese Gegebenheiten einstellen.
Mit dem PSG II wird nun der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. An die Stelle der drei Pflegestufen treten fünf Pflegegrade. Stärker als bisher soll der Hilfe- und Betreuungsbedarf von Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz berücksichtigt werden. Auf dieser Grundlage wird ein neues Begutachtungs-Assessment (NBA) zur Anwendung kommen. Die Vorbereitungen darauf laufen zurzeit in unseren Einrichtungen.

Ambulant
Zum 1. April 2016 wurde ein Ambulanter Pflegedienst in Bochum, der bisher zum Diakoniewerk Bleibergquelle gehörte, in die Trägerschaft unseres Werkes übernommen. Als neues Angebot wird im Bereich des Kinderintensivpflegedienstes in Iserlohn die sogenannte „Frühe Hilfe“ aufgebaut. Zwei Mitarbeiterinnen befinden sich in der Zusatzausbildung zur „Familien-krankenschwester“, um dann Familien aufzusuchen, die Beratung und Unterstützung im Umgang mit ihren Kindern brauchen. Es geht dabei um Hilfe zur Selbsthilfe.
Die Abrechnung mit dem Jugendamt erfolgt über einen Stundensatz.

Neben den beiden bestehenden ambulant betreuten Wohngemeinschaften in Solingen und Schalksmühle werden weitere in Iserlohn – in einem Gebäude neben der dortigen FeG – und am Rande der Innenstadt von Lüdenscheid geplant.

Teilstationär
Im Laufe des Jahres 2016 wurden zwei weitere Tagespflegen eröffnet: im August in Netphen bei Siegen, im Oktober in Limburg auf dem Campus der Domäne Blumenrod neben der dortigen FeG.

Stationär
Bei den MDK-Prüfungen in unseren stationären Einrichtungen lagen die Ergebnisse in der Regel über dem Landesdurchschnitt.
Erfreulich ist, dass viele Bewohner unserer Häuser an den Andachten und Gottesdiensten sowie an den kulturellen und geselligen Veranstaltungen teilnehmen.
Der Um- und Erweiterungsbau an Haus Buche in Solingen konnte im Frühjahr 2016 abgeschlossen werden, sodass auch dieser Teil des Seniorenzentrums nun – sowohl im Blick auf die Wünsche von Bewohnern und Angehörigen als auch im Blick auf gesetzliche Vorgaben – zukunftsfähig ist.

6. Suchtkrankenhilfe Sachsen-Anhalt

Im Oktober 2015 wurde das 30-jährige Bestehen der „Suchtkrankenhilfe Bethanien Dessau“ gefeiert. Erstaunlich, was aus einer privaten Initiative der Eheleute Reuter geworden ist, nämlich eine breite Palette von Angeboten für suchtkranke Menschen: Beratungsstellen, Wohn-heim, Übergangswohnheim, geschützter Bereich, Tagesförderung, ambulant und stationär betreutes Wohnen, seit Mai 2016 auch intensiv betreutes Wohnen. Der „geschützte Bereich“ erweist sich nach wie vor als sehr sinnvolle Weiterentwicklung. Er ist immer voll belegt, und es besteht eine Warteliste.
Wegen der zunehmenden Pflegebedürftigkeit der Bewohner war es nötig, die Gebäude und den Außenbereich barrierefrei zu gestalten. Dafür wurde ein Personenaufzug angebaut und eine barrierefreie Verbindung zwischen zwei Gebäudeteilen hergestellt. Besondere Fördermittel und Spenden standen für diese Maßnahme zur Verfügung.

7. Berghof

Im Kreis Kleve wird die Gründung eines Gemeindepsychiatrischen Verbundes (GPV) erwogen. Dabei geht es vor allem um die Koordination von Leistungen durch verschiedene Anbieter und um eine regionale Planung im Zusammenspiel von Kommune, Landschaftsverband, Leistungsanbietern und Kostenträgern. In Sondierungsgesprächen wird geklärt, ob und wie
unser Wohnprojekt Berghof in diesem System zukünftig seinen Platz finden kann.

8. Ferien- und Tagungszentrum Langeoog im VCH

Mithilfe externer Beratung wurden die Marktpositionierung und die Zielgruppen des Hauses noch einmal präzisiert. Das Profil der Einrichtung wird im Konzept folgendermaßen beschrieben: „Wir sind ein Vollpensionshaus mit erkennbar christlicher Prägung, in dem Erholung an Leib, Seele und Geist, Lebens- und Glaubenshilfe sowie Gemeinschaft über Generationengrenzen hinweg für Einzelne, Familien und Gruppen ermöglicht werden.“
Nach erfolgter Begutachtung wurden dem Ferien- und Tagungszentrum Bethanien „3 Sterne plus“ der Deutschen Hotelklassifizierung zuerkannt. Die Homepage der Einrichtung wurde komplett neu gestaltet.
Zurzeit wird ein QM-System auf der Basis von DIN EN ISO 9001:2015 aufgebaut.

9. Fachseminar für Altenpflege und Bildungszentrum

Seit 40 Jahren besteht unser Fachseminar. Ca. 1000 Altenpfleger/-innen wurden seit 1976 dort ausgebildet.

Für die pflegerische Ausbildung liegt der Entwurf eines Pflegeberufereformgesetzes (PflBRefG) vor. Danach sollen die Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege in einen Ausbildungsgang zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann zusammengeführt werden („generalistische Ausbildung“). Der Ausgang der Beratungen ist leider immer noch offen. Bethanien wird jedenfalls auch unter veränderten gesetzlichen Regelungen praktisch und theoretisch weiter ausbilden. Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern werden zurzeit geführt.

Die Anzahl der Teilnehmer an Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen unseres Bildungszentrums (bzb) bewegt sich weiter auf hohem Niveau. Im Laufe des Jahres 2016 wurden ca. 70 Fortbildungs- und 8 anerkannte Weiterbildungsmaßnahmen (u. a. Gerontopsychiatrische Fachkraft, Palliativ Care, Pflegefachkraft für außerklinische Beatmung, Pflegeberater nach § 7a SGB XI) durchgeführt. Ein QM-System nach DIN EN ISO 9001:2015 wird zurzeit aufgebaut.

Zu den Fortbildungsangeboten des Werkes gehören nach wie vor auch diakonische Bildungsangebote i. e. S., z. B. Einführungstage für alle neuen Mitarbeiter/-innen zu den Wer-ten und Zielen unserer Arbeit, der zweitägige Kurs „Wir leben Diakonie“ mit Einheiten zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, Teambildung, Heil und Heilung, ein Seminar für Mitarbeitende ohne kirchliche Bindung zu Kerninhalten des christlichen Glaubens sowie von Prof. Dr. Markus Iff, Theologische Hochschule Ewersbach, durchgeführte Fortbildungen, um die ethische Kompetenz unserer Mitarbeitenden zu fördern.

10. Zentrale Dienste

Die erfreulichen Entwicklungen der Einrichtungen unseres Werkes sind natürlich nur möglich durch das gelingende Zusammenwirken mit den Zentralen Diensten, wie Personalverwaltung, Rechnungswesen/Controlling, Wirtschaftsdienste (mit Einkauf, Lager, Transport, Zentralküche), Technischer Dienst, IT-Abteilung, Qualitäts- und Organisationsentwicklung.
Regelmäßig stattfindende Schnittstellengespräche dienen der Klärung und ggf. Verbesserung von Abläufen zwischen Einrichtungen und zentralen Dienstleistern.

11. Ergebnis

Das Geschäftsjahr 2015 wurde sowohl im Diakonischen Werk Bethanien e.V. als auch in der Krankenhaus Bethanien gGmbH mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Auch die Ergebnisse des ersten Halbjahres 2016 sind in beiden Firmen positiv.
Unser Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – inzwischen ca. 1.750 –, den vielen ehrenamtlich Tätigen, den Mitgliedern unserer Freundeskreise sowie den Gemeinden und Einzelpersonen, die uns kontinuierlich geistlich und finanziell unterstützen.

Ich erinnere an den Anfang: „Herz und Mund und Tat und Leben muss von Christo Zeugnis geben“. Und: Immer dort, wo Christen ihren Mitmenschen in Not beistehen, kann etwas aufscheinen von der Liebe Gottes zu den Menschen. Manchmal nehmen wir das wahr, manchmal nicht. Dass es oft geschieht, ist unser Wunsch und unser Gebet.

Otto Imhof

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